Offener Brief an die nöm

26. Aug. 2010

Sehr geehrte Marketing-Menschen der nöm!

Schon bisher kaufte hin und wieder gerne ein FruFru (Super-Joghurt, übrigens). Heute griff ich auch wieder ins Milchregal, diesmal aus umso größerer Überzeugung. Warum? Weil ich die Geschichte über zweisprachig beschriftete Milchpackungen gelesen habe.

Erst war ich schockiert von den empörten Stellungnahmen unter diversen Artikeln in Österreichs Online-Medien. Es legte in drastischer Weise die Dummheit mancher Argumente offen.

Dann habe ich nachgedacht und muss Ihnen gratulieren. Sie haben als privates Unternehmen nicht nur einen Beitrag zu Verständigung sondern wohl zum verstärkten Verkauf heimischer Produkte geleistet (zumindest bei mir). Ich muss Ihnen gratulieren zur Aufmerksamkeit, die Sie so bekommen haben. Welches Medium schreibt heute noch über Milchpackerln? Wie sonst wären Sie auch auf diesen Blog gekommen?

Ich hätte aber auch eine Idee, die Sie auf diesem Bild schon erkennen können. Wie wäre es mit zweisprachigen (slowenisch-deutsch) Milchpackerln in Kärnten? Rund um den 10. Oktober – den Feiertag der Volksabstimmung – könnten Sie so mit uns das Gemeinsame in Kärnten feiern.

Wie wär’s damit? Die Aufregung in Kärnten wäre garantiert :-)

Ihr Georg Holzer

OpenGov am World Blogging Forum 2010

04. Aug. 2010

Am 13. November findet das World Blogging Forum Vienna 2010 statt. Das heurige Thema ist “The Future of Digital Media”.

Ein Track soll sich ausschließlich mit dem Thema OpenGovernment/OpenData beschäftigen und mir wurde die Ehre zuteil, diesen Track inhaltlich zu gestalten.

Mich freut ganz besonders, dass das Thema Transparenz auch in der Wirtschaft als immer wichtiger angesehen wird. Hauptsponsor des WBF 2010 ist die A1 Telekom Austria und auch von dieser Seite kam der Wunsch für diesen Track. Dabei ist es keine drei Wochen her, dass die seinerzeitige Teilprivatisierung der Telekom (Stichworte Meischberger, Hochegger, Grasser) selbst für wilde Gerüchte und politische Diskussionen sorgte.

Gesucht sind nun zwei internationale Blogger. Kennt ihr Blogger, die sich mit dem Thema Transparenz, Politik, OpenData beschäftigen? Vorschläge bitte in die Kommentare. Danke!

Angst vor bewaffneten Irren

26. Jul. 2010

Eben kam ich nach Hause und während meine Begleitung vor dem Haus noch schnell telefonierte, schaute ich in die Auslage des Waffengeschäfts im Nachbarhaus. Was ich da sah, erschreckte mich im Mark.

Nach jedem Amoklauf will man Computerspiele verbieten. Aber automatische Waffen kann jeder frei kaufen? Österreich als Paradies der Waffennarren und Waffenlobby?

Als ich mich etwas eingelesen habe, stellte ich fest, dass dies nicht tatsächlich eine Heckler & Koch MP5 ist. Es ist eine Replika des ehemaligen Maschinengewehrs der GSG9, der Navy Seals und (möglicherweise) der RAF (siehe Logo). Es ist “nur” eine Gaswaffe, die aussieht wie ein Maschinengewehr.

Angeblich kann man mit dem 4,5 mm-Stahlgeschoss niemanden töten, lese ich weiter im Web. Angeblich. Dass ein Irrer damit aber zweifellos Menschen schwer verletzen kann, scheint allen relativ egal zu sein. Der Preiszettel verrät nämlich: “FREI VERKÄUFLICH”. Im Klartext: Jeder Irre kann sich so ein Teil besorgen und mit Stahlkugeln um sich ballern.

Übrigens: Aus einem Kommentar auf Facebook lese ich, dass es weit Schlimmeres – etwa Schrotflinten – auch frei zu kaufen gibt.

Milchmädchenrechnung

22. Jul. 2010

Mit ihrer Praxis der Handystützung und überlangen (womöglich sittenwidrigen) Vertragslaufzeiten schaden sich Mobilfunker nachhaltig! Wie und warum, soll folgendes Beispiel zeigen:

Nehmen wir an, ein Mobilfunker subventioniert ein Tablet zum Preis von 599 Euro. Mit Vertrag würde es dann nur 299 Euro kosten. Dafür muss der Kunde einen Datenvertrag über 10 GB zu 25 Euro im Monat mit einer Vertragsbindung von 36 Monaten abschließen.

Habe heute gehört, dass so ein Vertrag bei einem Mobilfunker tatsächlich kommen soll oder zumindest in Erwägung gezogen wird.

Ergibt folgende Rechnung der Gesamtkosten:
299 + 36 x 25 = 1199 Euro

Ohne Stützung, ohne Bindung, dafür mit absolut tablet-tauglichen 1GB bei einem Diskonter:
599 + 36 x 4 = 743 Euro

Ersparnis: 456 Euro. Da geht sich fast schon ein iPad dazu aus!

Klar, gibt es in diesem Beispiel nur 1 GB im Monat, das sollte allerdings bei weitem ausreichen. Am iPhone brauche ich nur rund 300 MB. Auch bei Konsum von YouTube-Videos und dergleichen, ist das ausreichend, wenn man zu Hause, im Café oder im Büro Wlan hat. Im Zweifel: 2 GB kosten bei 3 nur 6 Euro und dafür gibt’s in einigen Ländern keine Roamingkosten!

Hier beispielhaft alle (bislang bekannten) Tablet- und iPad-Tarife:

Warum aber schaden sich die Netzbetreiber damit?

  • Sie verschleiern (bewusst oder unbewusst) die kompletten Kosten und bekommen dadurch – meiner Meinung nach – ein schmieriges Image.
  • Kaum wer hat ein Netbook oder iPad für 36 Monate und wird dennoch durch ständige Zahlungen negativ an seinen Vertragsabschluss erinnert. Dass der Netzbetreiber so nicht gut in Erinnerung bleibt, ist logisch.
  • Kunden kann man nicht einsperren. Entweder sind sie freiwillig bei einem oder eben nicht.
  • Mobilfunker sind Dienstleister, keine Hardwareverkäufer mit angebundenem Kundengefängnis!
  • Aktuell beklagen die Mobilfunker ständig, wie teuer die Subventionen wären. Dass sie so das Image eines Jammerers bekommen, sehen sie offenbar nicht.
  • Wenn die Mobilfunker nicht mehr oder weniger subventionieren wollen, bräuchten sie einfach nur die oben vorgezeigte Rechnung mit ihren Kunden durchrechnen. Ich weiß, was die wählen würden!
  • Das umständliche Herumrechnen mit Treueprogrammen wie Mobilpoints, Flamingos oder Bonustufen wäre dann auch passé. In Wirklichkeit dienen die ohnehin nur der Intransparenz und der weiteren Bindung von Kunden.

Die meisten Kunden sind nur leider zu unmündig, um die obige, sehr einfache, Rechnung anzustellen. Wäre das anders, hätten wir eine weit bessere Qualität am Markt. Dann stünde bei den meisten die Zuverlässigkeit des Netzes im Vordergrund und nicht nur die “Null-Euro-Angebote”, die man gerade auf Zeitungsinseraten sieht.

Gerade das iPad zeigt vor, wie es gehen kann: Man kauft ein Gerät ohne Subvention und kauft sich die Dienstleistung dazu – ohne Bindung und ohne Fallstricke. Wenn die Dienstleistung nicht mehr passt, geht man zu einem anderen Betreiber.

Čas je zrel! Die Zeit ist reif!

08. Jul. 2010

Mit Bauchweh habe ich am 25. April mein Kreuzerl bei Heinz Fischer gemacht. Am Donnerstag wurde der mit knapp 80 Prozent (bei einer Wahlbeteiligung von nur 53,6 Prozent) wieder gewählte Bundespräsident angelobt.

Ich habe ihn deshalb mit Bauchweh gewählt, weil er u.a. in seiner ersten Amtsperiode als Hüter der Verfassung viel zu wenig getan hat, um der Verfassung Geltung zu verschaffen. Dutzende Entscheide des Verfassungsgerichtshofs in der Ortstafelfrage waren nötig, damit in Kärnten weiter rein gar nichts getan wird. Diese Ignoranz gegenüber dem Staatsgrundgestz (in Klagenfurt und Wien) tut weh.

Doch heute hörte ich Bemerkenswertes in der Rede des Bundespräsidenten. Es waren klare Worte, als er sich für eine baldige Lösung des Ortstafelstreits aussprach. Ein Konflikt, der ohnehin – wie Fischer heute auch meinte – schon seit langem keine Daseinsberechtigung mehr hat.

Jetzt sollten endlich auch die Politiker in Kärnten zur Vernunft kommen: Dann ist die Lösung dieses Problems nicht unmöglich.

Auf seiner Website findet sich die Rede Fischers im kompletten Wortlaut. Hier der Ausschnitt zum Ortstafelstreit:

Noch einen Gedanken möchte ich an dieser Stelle anfügen, weil in wenigen Monaten des 90. Jahrestages der Kärntner Volksabstimmung gedacht wird:

Ich trete mit Nachdruck dafür ein, dass unser Verhältnis zu österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern mit slowenischer Muttersprache, das ich als gut und sehr positiv empfinde, in vollem Umfang auch auf den Boden von Art. 7 des Österreichischen Staatsvertrages gestellt wird – ähnlich wie das in Bezug auf die Volksgruppe mit kroatischer Muttersprache bereits geglückt ist.

Das Thema der zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten auf der Basis des Staatsvertrages und der in diesem Zusammenhang ergangenen Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes zu lösen, kann bei ehrlichem gutem Willen keine unlösbare Aufgabe sein. Und es ist auch keine unlösbare Aufgabe!

Es hat in letzter Zeit diesbezüglich auch manches ermutigende Zeichen gegeben.

Ich darf daher mit Emotion und aus Überzeugung an den Herrn Landeshauptmann von Kärnten sowie an die Mitglieder der Kärntner Landesregierung und des Kärntner Landtages in Zusammenarbeit mit Organen des Bundes die Bitte richten, das teilweise noch ungelöste Problem der Kärntner Ortstafeln ohne Zeitverzug in rechtsstaatlicher und vernünftiger Weise zu lösen.

Es liegen alle Argumente auf dem Tisch. Niemand hat etwas zu befürchten und alle haben zu gewinnen. Lösen wir endlich ein Problem, für das es keine Daseinsberechtigung mehr gibt!!!

Die Zeit ist reif!

Oder wie unsere Landsleute aus der slowenischen Volksgruppe sagen würden: ČAS JE ZREL!!!

Bildhinweise: Hauptbild Alexander Krischnig, Bilder von der Angelobung: Hofburg.at/kein Fotograf genannt.

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