Luftkrieg mit Grazer Hilfe

1. März 2007 von Georg Holzer 

Ich bin heute auf eine interessante Geschichte gestoßen: Google und Microsoft haben sich am Australia-Day (am 26. Jänner) eine Luftschlacht geliefert, die von Bill Gates letztendlich mit österreichischer Hilfe gewonnen wurde.

Beide Unternehmen kündigten an, am Nationalfeiertag Flyover durchzuführen. Dabei wurden mit Kameras, die am Flugzeugrumpf montiert sind unendlich viele Fotos geschossen, die mittlerweile in Google Maps, Google Earth sowie Microsoft Live Local eingeflossen sind.

Beide Kontrahenten warben eifrig für den Australia Day. Man sollte Ausschau nach den Flugzeugen halten, winken und sich so in den jeweiligen Mapping-Produkten verewigen können.

Während Googles Info dafür ist wieder offline ist, erfreut sich Microsofts Site nach wie vor großer Beliebtheit. Im Unterschied zu Google bot man auch den Beteiligten am Boden an, Fotos vom Nationalfeiertag online zu stellen. So entstand nicht nur ein Riesen-Fotoalbum von oben, sondern auch eines von unten.

Google hatte mit einem Problem zu kämpfen. Australiens Regierung erlaubte an diesem Tag keine Tiefflüge über Sydney und anderen Städten. Ein Pech, denn Googles Ausrüstung war nur für absolute Tiefflüge ausgelegt. Man flog dennoch, nur höher und so beklagten sich einige, dass ihre Dachparty nicht zu sehen war, die geplante Gratis-Werbung nur aus wenigen nicht erkennbaren Pixeln bestand oder die Entschuldigung bei der Ex-Freundin ins Wasser fiel.

Microsoft dagegen konnte höher fliegen und so trotz Tiefflug-Verbots immer noch scharfe Bilder liefern. Der Grund dafür liegt in Graz. Im Mai 2006 übernahmen die Redmonder den dort ansässigen Imaging-Spezialisten Vexcel. Seither ist Graz der einzige Standort von Microsoft Research in Österreich und nur einer von insgesamt fünf in Europa.

In der Steiermark wurde die Ultra Cam entwickelt – eine auf einem Flugzeugbauch montierte hoch auflösende Kamera, die derzeit wohl alles andere in den Schatten stellt.

Ihre Auflösung beträgt rund 86 Millionen Pixel. Wird aus einer Höhe von 500 Metern fotografiert, entspricht Pixel einer Fläche von 5 x 5 cm.

Die Farbtiefe beträgt 12 statt der üblichen acht Bit. Daher ist der Dynamikumfang auch etwas höher. In einer Unit können insgesamt 1,5 Terabyte Daten gespeichert werden – das sind also 2700 unkomprimierte Luftbilder. Schnappschusskamera ist sie mit einem Gewicht von 45 Kilogramm allerdings keine.

Wie ich schon vor einiger Zeit gehört habe, gab es vor kurzem auch in Kärnten einen Flyover oder dieser steht unmittelbar bevor. Bin schon gespannt, was daraus wird!

Kommentare

6 Kommentare zu “Luftkrieg mit Grazer Hilfe”
  1. Sehr interessant – vielen Dank für die Infos.
    Ich bin ganz begeistert dass MS und Google sich da laufend gegenseitig überbieten, denn für uns “Konsumenten” ist das nur gut.
    Erst gestern bin ich virtuell ein bisserl durch die Schweiz geflogen und freue mich schon drauf wenn auch Österreich und Bayern in der Auflösung vorliegen.

  2. Wäre sehr interessant zu wissen, wann dieser Flyover Kärnten genau ist. Auf jeden Fall wird es toll sein, dass Liesertal dann auch mal genauer von oben betrachten zu können und nicht nur in dieser verschwommenen Version.

  3. Georg Holzer sagt:

    @ Monika: Ich werde mich schlau machen!

  4. tlutz sagt:

    Erstklassige Recherche, das wäre mir ohne Dein Blog wohl entgangen. Das macht mich doch auch gleich ein Stück weit stolzer auf meine Kollegen in Graz :-)
    Danke, Thomas

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  1. [...] In seinem Blog beschreibt Georg eine Luftschlacht, die sich Google und Microsoft anläßlich des “Australia Day” gegeben haben. Dabei wurden mit flyovers Luftaufnahmen von Sydney und anderen größeren Städten gemacht, die dann in Google Earth bzw. Microsoft Virtual Earth eingeflossen sind. Entscheidend für den Ausgang dieses “Luftkriegs” war aber schließlich eine Innovation aus Graz. Wer mehr dazu erfahren möchte, klickt sich einfach weiter. [...]

  2. [...] Die Kamera und das Vexcel-Team waren so gut, dass Microsoft keinen Auftrag gab, sondern die Firma im Vorjahr gleich kaufte. Seitdem wird sogar Google (zumindest) in der Luft überholt. [...]



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