Eben herein gekommen: Microsoft macht ein offizielles Angebot für Yahoo. Pro Aktie will man 31 Dollar bezahlen – ein Aufschlag von 62 Prozent gegenüber gestern. Ist die Sache wirklich 44,6 Milliarden Dollar (30 Mrd. Euro) wert? Bringt das was?
Steve Ballmer meinte vor ein paar Wochen, dass Microsoft bis zu ein Viertel seines Umsatzes im Web und mit Werbung machen will. Dass sich dass alleine nicht ausgeht, wird ihm wohl klar gewesen sein. So könnte es sich ausgehen.
- Auch wenn Microsoft es nicht öffentlich sagt: Deren Geschäftsmodell (Software im Packerl zu verkaufen) steht vor einem Wandel.
- Gerade wegen der unglaublich guten Zahlen, die Microsoft Quartal für Quartal abliefert, hat man das Geld in der Portokasse. Für die Yahoo-Aktionäre wird das Angebot verlockend sein, zumal man derzeit mit gröberen Problemen kämpft und erst letzte Woche 1000 Mitarbeiter freisetzte.
- Anzeigenlösung:
Microsoft hat kaum Kunden, dafür aber mit dem Ad-Center eine hervorragende Plattform. Yahoo auf der anderen Seite arbeitet seit Jahren erfolglos an einem Ad-System (Codename: Panama), das Werbung zielgenauer positionieren soll. - Exchange-Konkurrent ausgeschaltet:
Erst im vergangenen Herbst kaufte Yahoo Zimbra – ein Hersteller von Server-Software, der alle Funktionalität von Exchange bietet. Es gibt sowohl gehostete Dienste, als auch eine OpenSource-Variante. Weil die immer besser wird, wird der neue Eigentümer wohl keine große Freude damit haben. - Web-Suche:
Während Microsofts Marktanteil bei der Suche von sehr marginal auf marginal steigt, verliert Yahoo. In den USA ist die Verteilung weniger dramatisch als bei uns. Hier die Marktanteile im September 2007:
Google: 57 %
Yahoo: 23,7 %
Microsoft: 10,3%
Andere: 10%
Mit einem Schlag ist Yahoo/Microsoft dreimal so groß wie MS alleine. - Web-Properties:
Man kann Microsoft ja nicht vorwerfen, sich nicht bemüht zu haben, aber deren Webdienste sind keine heißen Semmeln, die sich selbst verkaufen. Was haben Microsoft und Yahoo? Mit Diensten Del.icio.us, Flickr oder Upcoming bekommen die Redmonder die heißesten Webdienste serviert. Ob deren loyale Nutzer damit eine Freude haben, darf man allerdings bezweifeln. - Schwierige Integration:
Man muss es erst einmal schaffen, 11.000 Mitarbeiter in ein weiteres Unternehmen zu integrieren. Ganz wird das vermutlich nie gehen. Außerdem kann man davon ausgehen, dass zwischen dem doch recht bürokratischen Redmond und einer SiliconValley-Firma (Yahoo kommt aus Sunnyvale) erhebliche kulturelle Unterschiede bestehen.
Auch in technischer Sicht würde das nicht einfach: Microsoft setzt im Web auf deren Programmiersprachen, Yahoo baut voll auf den LAMP-Stack.
Zudem gibt es einige Überschneidungen – etwa bei Maps oder Mail. Man wird wohl davon ausgehen können, dass zumindest mittelfristig jeweils beide Varianten bestehen bleiben. - Kooperationen:
Bereits in der Vergangenheit haben Microsoft und Yahoo mehrmals bewiesen, dass sie zusammenarbeiten können. So war der neue Yahoo-Messenger eines der ersten Produkte überhaupt, das Vistas Grafik-Schnickschnack voll ausgenutzt hat, der IM-Client war zudem der erste, der interoperabel war. Yahoo bot stets gebrandete Versionen des IE an und Microsofts Live Photo-Gallery erlaubte auch den Upload zu Flickr. Man kann miteinander. - Synergien:
Microsoft spricht von einer Milliarde Dollar, die man im Jahr gewinnt. Kein Wunder: deren Online-Dienste schreiben ein sattes Minus von einer Milliarde Dollar – im Quartal! - EU-Bedenken:
Wie bei jeder großen US-Übernahme, wird sich wohl auch die EU einmischen. Bei dem enormen Suchmonopol (bei über 90 Prozent kann man fast schon als solches bezeichnen), das sich Goolge in Europa aufgebaut hat, muss Europa aber froh sein, wenn es einen stärkeren Gegenspieler gibt.
Ob es den Betrag wert ist, lässt sich noch nicht sagen. Fix ist aber, dass Microsoft es alleine nie geschafft hätte, im Web eine wichtige Nummer zu spielen.
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