Gestern war iPhone-Tag. Für mich war der Launch des iPhone 3G Weihnachten und Ostern zugleich, hatte ich doch schon das originale iPhone und freute mich auf die Beseitigung einer Punkte, die mir am ersten Modell nicht so gefallen hat.

So viele gute Neuerungen es gibt, war die Enttäuschung doch groß. Der Grund dafür ist der Akku, der schlichtweg enttäuscht. Wir erinnern uns: Am 9. Juni bei der WWDC stellte Steve Jobs das iPhone 3G vor. Ein – von vielen Fanboys beklatschter – Teil der Keynote war, dass Jobs längere Akkuzeiten versprach. Siehe dazu auch die offiziellen Specs.

Direct Link to YouTube: Ausschnitt: Steve Jobs bei der WWDC, Dauer: 1:10
Das Video habe ich auf YouTube geladen. Copyright 2008 Apple Inc. Ich beanspruche dafür Fair Use.

Doch: UMTS und GPS sind wahre Stromfresser. Wie sollte das Kunststück einer längeren Laufzeit mit einem Akku gelingen, der weniger Kapazität als der des Originals aufweist? Mitarbeiter von ifixit.com sind am Launchtag nach Neuseeland geflogen, um sich eines der weltweit ersten iPhones zu besorgen und zu zerlegen. Sie sind auf Hinweise gestoßen, dass der Akku des iPhone 3G eine Kapazität von lediglich 1150 mAh hat. Der des originalen iPhones soll es auf 1400 mAh bringen.

Selbst das effizienteste Energiemanagement ist nicht in der Lage, das zu kompensieren und mehr Energie aus einem kleineren Akku zu holen.

Aber selbst das wäre noch irgendwie zu verkraften. Das Gerät müsste einfach öfters an die Steckdose, doch hier beginnt die eigentliche Schweinerei! Der “iPod” ist das von mir wohl meistgenutzt Feature des iPhones. Zu Hause höre ist fast ständig Podcasts. Kopfhörer habe ich dabei nicht auf, das iPhone steckt ständig in irgendeinem Dock eines Radios oder Lautsprechers. Ich habe solcherlei Gerätschaften in Küche, Büro und Schlafzimmer.

Das Tolle dabei: Es werden nicht nur Musik und Podcasts wiedergegeben, das Originale iPhone hat sich auch darüber aufgeladen. Und weil es sehr oft in einem Dock war, war Strom NIE ein Thema. Das wird sich jetzt ändern. Anders als die erste Version verweigert das iPhone 3G  die Stromaufnahme in iPod-Docks.

Keine Aufladen mit diesem Zubehör

iPhone 3G in drei verschiedenen Docks

Der Grund dafür ist – zumindest technisch betrachtet – unerklärlich:

  • Der Dock-Connector hat sich mechanisch nicht verändert
  • Auch am Kabel dürfte sich nichts geändert haben. Auch das alte Kabel lädt über USB oder Steckdose das iPhone 3G auf.

Betriebswirtschaftlich dürfte der Grund viel profaner sein: Apple will die Lizenzeinnahmen für den Gebrauch des Dock-Connectors steigern. Derzeit verdient man in Cupertino zehn Prozent am Verkaufspreis (maximal vier Dollar pro Stück) aller mit “Made for iPod”-Produkte mit. Zwischen 25 und 35 Millionen Dollar spült das jährlich in Jobs’ Kassen.

Ein Witz! Hier wurde nicht nur gelogen, was den eigentlichen Stromspender angeht (siehe oben). Es wird pure Profitgier am Rücken von Konsumenten betrieben. Ich hab in den letzten Monaten 500 Euro in solche Lautsprecher investiert. Doch das wird mir eine Lehre sein: Traue niemals einem geschlossenem System. Schon gar nicht, wenn es von Apple kommt und sich Quasi-Monopole auftun.

Ich bin mir sicher, dass sich gerade in den USA viele Konsumenten eine solche Vorgangsweise nicht gefallen lassen und prozessieren werden. Auch die Wettbewerbshüter sollten sich solche Praktiken einmal näher anschauen!

Update 1:
Von Apple gab es auf meine Frage eine nicht gerade erschöpfende Antwort: “Kein Kommentar”

Update 2:
Mittlerweile habe ich auch den “Reviewer’s Guide” für das iPhone 3G bekommen. Darin wird bestätigt, dass Zubehör “Made for iPod” (“4000+ Zubehörteile”) funktioniert, aber darauf verwiesen, dass es zu Funkstörungen (surren, Anm.) kommen kann. Davon, dass es an solchem Zubehör nicht aufladet, ist keine Rede.