Seit nunmehr über einem Jahr mache ich mir vermehrt Gedanken, was man online machen könnte/müsste/sollte. Erstaunlich, dass ich erst vorgestern daran gedacht habe, um wie viel einfacher Produktion und Distribution digitaler Inhalte (speziell Podcasts) in den letzten Jahren wurde.

Hintergrund ist der Pressestunde-Podcast – eine halb- bis dreiviertelstündige Zusammenfassung des Technik-Geschehens, die ich gemeinsam mit Gerald Reischl vor vier Jahren begonnen habe. Ein halbes Jahr haben wir durchgehalten, dann wurde das aus Zeitmangel (und auch ob vermeintlich zu geringem Erfolg) wieder eingestellt. Pro Episode gab es 500 bis 700 Downloads, die Spitze markierte die letzte Episode mit deutlich über 1000 Downloads.

Rückblickend betrachtet, waren das für damalige Verhältnisse eigentlich keine schlechten Zahlen. Dazwischen hat sich eine ganze Menge getan:

  • Publikum:
    Soziale Netzwerke wie Facebook und zum Teil auch Twitter sind massentauglich geworden. Inhalte lassen sich leichter teilen, selbst wenn etwas nicht aus einem Medienkonzern, kann es rascher eine größere Zuhörermenge erreichen als noch 2008.
  • Verbreitung:
    Zugegeben: Podcasting ist immer noch kein Thema für die breiten Massen. Aber Smartphones führten dazu, dass es heute deutlich mehr und bequemere Möglichkeiten gibt, Podcasts zu abonnieren und herunterzuladen. Mit Apps wie Downcast für iOS oder BeyondPod für Android (meine beiden Favoriten) ist es nicht einmal mehr nötig, das Gerät mit dem Mac oder PC zu verbinden. Dazu kommen Dienste wie TuneIn, die Podcast-Episoden als Radiobeiträge behandeln und einfach auf vernetzte Heimsysteme wie jene von Sonos, Autoradios und Smartphones bringen. Die Abhängigkeit von Apple schrumpft damit zusehends.
  • Mobilität:
    Bandbreiten und Tarifmodelle sind zwischenzeitlich auf ein Niveau gesunken, bei dem der regelmäßige Download von 100 – 500 Megabyte pro Woche egal ist. Und sogar Geralds DSL-Leitung sollte aus dem tiefen niederösterreichischen Natschbach mehr Bandbreite haben, damit es weniger Störungen gibt :-)
  • Website:
    Wordpress als Basis wurde in den letzten Jahren nicht nur besser, auch das Ecosystem rundherum wucherte geradezu. Heute gibt es deutlich hübschere (Premium-)Themes (gratis oder für ein paar Euro), die in 1-2-3 implementiert sind und die Podcast-Plugins wurden besser. Das führte unter anderem dazu, dass die Usability für den Nutzer besser wurde.
  • Hosting:
    Mit SoundCloud gibt es eine Art YouTube für Audio, die das Hosting von Audiodateien besser macht. Gut, Traffic war bei dieser Abonnentenzahlen auch 2008 kein Problem. Aber die Fähigkeit, Audiofiles einfacher einbinden, teilen und an gewissen Stellen kommentieren zu können, ist ein großer Schritt nach vorne. Dazu kommt, dass nicht wenige Drittanwendungen (wie etwa Flipboard) SoundCloud-Streams anbieten können.
  • Tools:
    Die Werkzeuge zur Erstellung von Podcasts sind mit guten USB-Mikrofonen sowie einfacherer Software ein wenig besser geworden.
  • Teamwork:
    Die  Themenliste mussten wir vor vier Jahren noch mühsam als Word-Datei hin- und hermailen. Große Dateien mussten mittels FTP zwischen Kärnten und Niederösterreich hin- und hergeschupft werden. Heute geht das mit Dropbox, Google Docs & Co. viel einfacher.
  • Video, Live und Interaktion:
    An die Möglichkeiten, die Google+ mit Hangout bietet, wagten wir 2008  nicht einmal zu träumen.
  • Kickstarter-Funding:
    Klar könnte ich mir die 500 Euro für das SoundCloud-Premium auch selbst leisten. Ich überlege aber, ob man nicht einen Aufruf über Kickstarter machen könnte. Gibt’s überhaupt Interesse, das über Lippenbekenntnisse hinaus geht? Darf man sich als Journalist auf diese Weise überhaupt etwas “zusammenschnorren”?
    Mich interessiert das Kickstarter-Funding schon aus Eigeninteresse, weil ich es einmal ausprobieren möchte.
Nur eines blieb gleich: Geld wird man damit nie machen können. Aber darum ging es ohnehin nie.

Eure Meinung zählt!

Soll es eine Neuauflage (mit neuem Namen, ich hab schon eine Idee) geben? Wollt ihr eine Tech-Wochenzusammenfassung überhaupt oder hört ihr das alles ohnehin aus den USA?

[poll id="3"]

Ich für meinen Teil höre kaum deutschsprachige Technik-Podcasts, weil diese meist staubtrocken sind. Das soll sich ändern. Die Neuauflage wäre unterhaltsamer als die letzten Episoden der “Ur-Pressestunde”. Außerdem sollten künftig verstärkt Gäste eingeladen werden. Es gibt genug Geeks, Nerds, Technikjournalisten und Gründer von Start-ups, die enorm viel beizutragen haben.

Also: Wollt ihr’s? Welche inhaltlichen Vorschläge habt ihr? Wen müsste man zu so etwas als Gast unbedingt einladen? Ich bitte um eure Kommentare. Danke!