Offener Brief an die nöm

26. Aug. 2010

Sehr geehrte Marketing-Menschen der nöm!

Schon bisher kaufte hin und wieder gerne ein FruFru (Super-Joghurt, übrigens). Heute griff ich auch wieder ins Milchregal, diesmal aus umso größerer Überzeugung. Warum? Weil ich die Geschichte über zweisprachig beschriftete Milchpackungen gelesen habe.

Erst war ich schockiert von den empörten Stellungnahmen unter diversen Artikeln in Österreichs Online-Medien. Es legte in drastischer Weise die Dummheit mancher Argumente offen.

Dann habe ich nachgedacht und muss Ihnen gratulieren. Sie haben als privates Unternehmen nicht nur einen Beitrag zu Verständigung sondern wohl zum verstärkten Verkauf heimischer Produkte geleistet (zumindest bei mir). Ich muss Ihnen gratulieren zur Aufmerksamkeit, die Sie so bekommen haben. Welches Medium schreibt heute noch über Milchpackerln? Wie sonst wären Sie auch auf diesen Blog gekommen?

Ich hätte aber auch eine Idee, die Sie auf diesem Bild schon erkennen können. Wie wäre es mit zweisprachigen (slowenisch-deutsch) Milchpackerln in Kärnten? Rund um den 10. Oktober – den Feiertag der Volksabstimmung – könnten Sie so mit uns das Gemeinsame in Kärnten feiern.

Wie wär’s damit? Die Aufregung in Kärnten wäre garantiert :-)

Ihr Georg Holzer

OpenGov am World Blogging Forum 2010

04. Aug. 2010

Am 13. November findet das World Blogging Forum Vienna 2010 statt. Das heurige Thema ist “The Future of Digital Media”.

Ein Track soll sich ausschließlich mit dem Thema OpenGovernment/OpenData beschäftigen und mir wurde die Ehre zuteil, diesen Track inhaltlich zu gestalten.

Mich freut ganz besonders, dass das Thema Transparenz auch in der Wirtschaft als immer wichtiger angesehen wird. Hauptsponsor des WBF 2010 ist die A1 Telekom Austria und auch von dieser Seite kam der Wunsch für diesen Track. Dabei ist es keine drei Wochen her, dass die seinerzeitige Teilprivatisierung der Telekom (Stichworte Meischberger, Hochegger, Grasser) selbst für wilde Gerüchte und politische Diskussionen sorgte.

Gesucht sind nun zwei internationale Blogger. Kennt ihr Blogger, die sich mit dem Thema Transparenz, Politik, OpenData beschäftigen? Vorschläge bitte in die Kommentare. Danke!

Angst vor bewaffneten Irren

26. Jul. 2010

Eben kam ich nach Hause und während meine Begleitung vor dem Haus noch schnell telefonierte, schaute ich in die Auslage des Waffengeschäfts im Nachbarhaus. Was ich da sah, erschreckte mich im Mark.

Nach jedem Amoklauf will man Computerspiele verbieten. Aber automatische Waffen kann jeder frei kaufen? Österreich als Paradies der Waffennarren und Waffenlobby?

Als ich mich etwas eingelesen habe, stellte ich fest, dass dies nicht tatsächlich eine Heckler & Koch MP5 ist. Es ist eine Replika des ehemaligen Maschinengewehrs der GSG9, der Navy Seals und (möglicherweise) der RAF (siehe Logo). Es ist “nur” eine Gaswaffe, die aussieht wie ein Maschinengewehr.

Angeblich kann man mit dem 4,5 mm-Stahlgeschoss niemanden töten, lese ich weiter im Web. Angeblich. Dass ein Irrer damit aber zweifellos Menschen schwer verletzen kann, scheint allen relativ egal zu sein. Der Preiszettel verrät nämlich: “FREI VERKÄUFLICH”. Im Klartext: Jeder Irre kann sich so ein Teil besorgen und mit Stahlkugeln um sich ballern.

Übrigens: Aus einem Kommentar auf Facebook lese ich, dass es weit Schlimmeres – etwa Schrotflinten – auch frei zu kaufen gibt.

Milchmädchenrechnung

22. Jul. 2010

Mit ihrer Praxis der Handystützung und überlangen (womöglich sittenwidrigen) Vertragslaufzeiten schaden sich Mobilfunker nachhaltig! Wie und warum, soll folgendes Beispiel zeigen:

Nehmen wir an, ein Mobilfunker subventioniert ein Tablet zum Preis von 599 Euro. Mit Vertrag würde es dann nur 299 Euro kosten. Dafür muss der Kunde einen Datenvertrag über 10 GB zu 25 Euro im Monat mit einer Vertragsbindung von 36 Monaten abschließen.

Habe heute gehört, dass so ein Vertrag bei einem Mobilfunker tatsächlich kommen soll oder zumindest in Erwägung gezogen wird.

Ergibt folgende Rechnung der Gesamtkosten:
299 + 36 x 25 = 1199 Euro

Ohne Stützung, ohne Bindung, dafür mit absolut tablet-tauglichen 1GB bei einem Diskonter:
599 + 36 x 4 = 743 Euro

Ersparnis: 456 Euro. Da geht sich fast schon ein iPad dazu aus!

Klar, gibt es in diesem Beispiel nur 1 GB im Monat, das sollte allerdings bei weitem ausreichen. Am iPhone brauche ich nur rund 300 MB. Auch bei Konsum von YouTube-Videos und dergleichen, ist das ausreichend, wenn man zu Hause, im Café oder im Büro Wlan hat. Im Zweifel: 2 GB kosten bei 3 nur 6 Euro und dafür gibt’s in einigen Ländern keine Roamingkosten!

Hier beispielhaft alle (bislang bekannten) Tablet- und iPad-Tarife:

Warum aber schaden sich die Netzbetreiber damit?

  • Sie verschleiern (bewusst oder unbewusst) die kompletten Kosten und bekommen dadurch – meiner Meinung nach – ein schmieriges Image.
  • Kaum wer hat ein Netbook oder iPad für 36 Monate und wird dennoch durch ständige Zahlungen negativ an seinen Vertragsabschluss erinnert. Dass der Netzbetreiber so nicht gut in Erinnerung bleibt, ist logisch.
  • Kunden kann man nicht einsperren. Entweder sind sie freiwillig bei einem oder eben nicht.
  • Mobilfunker sind Dienstleister, keine Hardwareverkäufer mit angebundenem Kundengefängnis!
  • Aktuell beklagen die Mobilfunker ständig, wie teuer die Subventionen wären. Dass sie so das Image eines Jammerers bekommen, sehen sie offenbar nicht.
  • Wenn die Mobilfunker nicht mehr oder weniger subventionieren wollen, bräuchten sie einfach nur die oben vorgezeigte Rechnung mit ihren Kunden durchrechnen. Ich weiß, was die wählen würden!
  • Das umständliche Herumrechnen mit Treueprogrammen wie Mobilpoints, Flamingos oder Bonustufen wäre dann auch passé. In Wirklichkeit dienen die ohnehin nur der Intransparenz und der weiteren Bindung von Kunden.

Die meisten Kunden sind nur leider zu unmündig, um die obige, sehr einfache, Rechnung anzustellen. Wäre das anders, hätten wir eine weit bessere Qualität am Markt. Dann stünde bei den meisten die Zuverlässigkeit des Netzes im Vordergrund und nicht nur die “Null-Euro-Angebote”, die man gerade auf Zeitungsinseraten sieht.

Gerade das iPad zeigt vor, wie es gehen kann: Man kauft ein Gerät ohne Subvention und kauft sich die Dienstleistung dazu – ohne Bindung und ohne Fallstricke. Wenn die Dienstleistung nicht mehr passt, geht man zu einem anderen Betreiber.

Čas je zrel! Die Zeit ist reif!

08. Jul. 2010

Mit Bauchweh habe ich am 25. April mein Kreuzerl bei Heinz Fischer gemacht. Am Donnerstag wurde der mit knapp 80 Prozent (bei einer Wahlbeteiligung von nur 53,6 Prozent) wieder gewählte Bundespräsident angelobt.

Ich habe ihn deshalb mit Bauchweh gewählt, weil er u.a. in seiner ersten Amtsperiode als Hüter der Verfassung viel zu wenig getan hat, um der Verfassung Geltung zu verschaffen. Dutzende Entscheide des Verfassungsgerichtshofs in der Ortstafelfrage waren nötig, damit in Kärnten weiter rein gar nichts getan wird. Diese Ignoranz gegenüber dem Staatsgrundgestz (in Klagenfurt und Wien) tut weh.

Doch heute hörte ich Bemerkenswertes in der Rede des Bundespräsidenten. Es waren klare Worte, als er sich für eine baldige Lösung des Ortstafelstreits aussprach. Ein Konflikt, der ohnehin – wie Fischer heute auch meinte – schon seit langem keine Daseinsberechtigung mehr hat.

Jetzt sollten endlich auch die Politiker in Kärnten zur Vernunft kommen: Dann ist die Lösung dieses Problems nicht unmöglich.

Auf seiner Website findet sich die Rede Fischers im kompletten Wortlaut. Hier der Ausschnitt zum Ortstafelstreit:

Noch einen Gedanken möchte ich an dieser Stelle anfügen, weil in wenigen Monaten des 90. Jahrestages der Kärntner Volksabstimmung gedacht wird:

Ich trete mit Nachdruck dafür ein, dass unser Verhältnis zu österreichischen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern mit slowenischer Muttersprache, das ich als gut und sehr positiv empfinde, in vollem Umfang auch auf den Boden von Art. 7 des Österreichischen Staatsvertrages gestellt wird – ähnlich wie das in Bezug auf die Volksgruppe mit kroatischer Muttersprache bereits geglückt ist.

Das Thema der zweisprachigen Ortstafeln in Kärnten auf der Basis des Staatsvertrages und der in diesem Zusammenhang ergangenen Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes zu lösen, kann bei ehrlichem gutem Willen keine unlösbare Aufgabe sein. Und es ist auch keine unlösbare Aufgabe!

Es hat in letzter Zeit diesbezüglich auch manches ermutigende Zeichen gegeben.

Ich darf daher mit Emotion und aus Überzeugung an den Herrn Landeshauptmann von Kärnten sowie an die Mitglieder der Kärntner Landesregierung und des Kärntner Landtages in Zusammenarbeit mit Organen des Bundes die Bitte richten, das teilweise noch ungelöste Problem der Kärntner Ortstafeln ohne Zeitverzug in rechtsstaatlicher und vernünftiger Weise zu lösen.

Es liegen alle Argumente auf dem Tisch. Niemand hat etwas zu befürchten und alle haben zu gewinnen. Lösen wir endlich ein Problem, für das es keine Daseinsberechtigung mehr gibt!!!

Die Zeit ist reif!

Oder wie unsere Landsleute aus der slowenischen Volksgruppe sagen würden: ČAS JE ZREL!!!

Bildhinweise: Hauptbild Alexander Krischnig, Bilder von der Angelobung: Hofburg.at/kein Fotograf genannt.

Zurück in die Vergangenheit

08. Jul. 2010

In einigen Bereichen kommt es mir vor, als würden wir nur einen Schritt nach vorne gehen und zwei zurück. Zwei Beispiele gehen mir schon lange im Kopf herum.

Beispiel Raumfahrt

Am 26. Februar 2011 beendet die Endeavour ein Kapitel der Raumfahrt-Geschichte. Zum letzten Mal für lange Zeit wird es bemannte Raumfahrt in einem wiederverwendbaren Raumfahrzeug geben.

Die 134. wird die letzte Shuttle-Mission sein. Seit 1981 sind die Shuttles im Einsatz, zwei der fünf Raumtransporter – Challenger und Columbia – endeten in einer Tragödie. Und dennoch war es das erfolgreichste Programm in der Geschichte der Weltraumfahrt. Für ein neues Raumfahrzeuge fehlt das Geld.

Mit Ausnahme dem Transport in Kapseln zur Internationalen Raumstation, die auch ein Ablaufdatum hat, wird es dann wohl kaum mehr bemannte Raumfahrt geben.

Schade.

Beispiel Luftfahrt

1969 sind wir schneller über den Atlantik geflogen als im Jahr 2010.

Der Absturz einer Concorde im Jahr 2000 (übrigens der einzige überhaupt) führte2003 zur endgültigen Außerdienst-Stellung des letzten majästischen Donnervogels.

Schade.

Auch wenn das Fliegen damit alles andere als ökonomisch und ökologisch war … wo blieb der Fortschritt? Heute gibt es lediglich den super-effizienten und möglichst ökonomischen Transport in Riesenvögeln über den großen Teich und um die ganze Welt.

Bewegen wir uns in einigen Bereichen zurück? Wo bleibt der Antrieb, besser, schneller, höher, stärker (und jetzt auch noch umweltfreundlicher) zu sein?

Frage: Was sind die nächsten ambitionierten Projekte oder kolossalen Ziele, auf die wir lange hinarbeiten und unvorstellbare Herausforderungen meistern müssen?

Internet-Provider anno 2025

17. Jun. 2010

Einige Freunde von mir sind beim Kärntner Internet-Provider Net4You tätig. Heuer wird der älteste – in Kärnten noch existierende – ISP des Landes 15 Jahre alt. Also hat man mich gebeten, einen Blick 15 Jahre in die Zukunft zu werfen. Wie könnte das Geschäft eines Internet-Providers im Jahre 2025 aussehen?

(c) iStockPhoto.com/Caracterdesign

Das Geschäft mit dem Internet anno 2025

In Zukunft ist das Netz gratis und überall vorhanden. Doch Internet-Provider haben weiter eine Daseinsberechtigung und Kärnten ist ohnehin ein Sonderfall.

2025 hat jeder Bürger Zugang zum Netz – wo immer er lebt oder sich im Inland aufhält. Allerdings heißt es nicht mehr das Internet und es ist nicht mehr das Internet, das wir 2010 kannten. Dafür ist es kostenlos. In der uns umgebenden Wolke gibt es ausgewählte Dienste.

Gratis, aber arg beschränkt

Getrieben vom Populismus, treten in den Jahren von 2014 bis 2020 praktisch alle Politiker mit dem Wahlversprechen des kostenlosen Internets an. Geboten wird dem Bürger eine Wolke in passabler Qualität mit ausgewählten Web-Diensten. Kostenlos ist da etwa der Nachfolger von Facebook dabei, auch die Websites von Parteien und öffentlicher Stellen sind kostenlos zugänglich. Dazu gibt es noch ein paar ausgewählte Nachrichten-Websites und Webmail. Nicht vergessen sollte man den HD-Fernsehkanal des Landeshauptmannes und das 3D-Streaming des Fußball- und Heimatkanals.

Vielen reicht das aus und so wurden die Politiker wieder gewählt. Bürgerrechtler verboten ihnen allerdings, den Begriff „Internet“ zu nutzen. Das „Netz der eingeschränkten Möglichkeiten“ firmiert seitdem als „Extra-Net. Das Netz, dass einem extra etwas bringt“.

Auch die Mobilfunker dürfen den Begriff „mobiles Internet“ nicht mehr führen. Seit der Einführung des UMTS-Nachfolgers LTE priorisieren sie eigene Dienste vor jenen der Konkurrenz. Vorher war dies nur sehr schwer möglich. Wer heute Musik kaufen will, kann dies nicht mehr so einfach bei Amazon & Co. machen. Wer die Websuche nutzen will, hat keine Möglichkeit mehr, auf Google zurückzugreifen. Der Weltverband der Mobilfunker wollte anno 2012 vom weltgrößten Internet-Konzern eine Umsatzbeteiligung, letztendlich scheiterten die Verhandlungen aber. Weil manche Internet-Angebote (etwa konkurrierende Telefondienste) gar nicht mehr erlaubt sind, dürfen auch sie ihr Produkt nicht mehr „Internet“ nennen. Das war jedoch kein großes Problem, da man schon jahrelang mit dem Begriff „mobiles Breitband“ geworben hat. Das ist heute werbefinanziert und somit kostenlos.

Reseller ohne Limits

Optional gibt es bei den zwei verbliebenen Mobilfunkern jedoch noch „Google-Pakete“ oder sogar – gegen einen horrenden Aufpreis – ein umfassendes Internet zu kaufen. Die Fusion von 3-Orange mit T-Mobile ließ 2017 der Regulator jedoch nur mit einer Auflage durchgehen: Jeder alternative Internetbetreiber muss – zu konkurrenzfähigen Konditionen – Reseller von mobilem Internet sein können.

Die verbleibenden zehn Internet-Provider Österreichs – darunter auch die Kärntner Net4You – formierten sich kurz darauf zu einer Qualitäts-Allianz. Sie verpflichteten sich, nur reines Internet mit uneingeschränktem Zugang zu allen Diensten anzubieten. Ein Glücksgriff, wie sich herausstellte, denn so konnte man sich gegen die großen Netzbetreiber durchsetzen. Ihr Produkt ist zwar deutlich teurer als das „Extranet“ oder die „ausgewählten Mobilfunkdienste“, dafür aber wurde ihre Nische immer größer und bedeutender.

Globales Angebot

Die Qualitäts-Provider bieten ihre Dienste nicht nur mobil und im Glasfasernetz an. Aufgrund gemeinsamer Verhandlungen können ihre Kunden das komplette Internet weltweit in allen Netzen rund um die Erde nutzen. Dies wurde nicht zuletzt durch einen Beschluss der ständigen UN-Internet-Konferenz möglich.

Aufgrund dieses Angebots sind heimische Internet-Provider weltweit gefragt – ihre abhörsicheren Leitungen haben schon so manchem Regimekritiker in Niederösterreich oder Nordkorea das Leben gerettet.

Koralm-Glasfaser

In Kärnten hat sich in den letzten 15 Jahren eine ganze Menge getan. Das südlichste Bundesland ist immer noch ein Sonderfall – wenngleich dieser Begriff deutlich positiver besetzt ist als noch 2010. Anfang der 2010er Jahre wurde der Bau des Koralmtunnels gestoppt. Viele Studien besagten, dass Datenautobahnen weit besser für die Zukunft eines Landes wären als Schienenstränge. Die Hälfte der noch zu verbauenden Mittel floss daher in eine Generalsanierung des Festnetzes.

Auch die EU und private Unternehmen – darunter einige Internet-Provider – beteiligten sich an dem kolossalen Projekt, ein Glasfaserkabel zu jedem einzelnen Haushalt des Landes zu verlegen. Weil der ehemalige Monopolist am Land weitgehend noch auf Kupfer setzte, schmolz dessen Marktanteil rasant zusammen.

SiliconAlps lebt

In der Folge kam es zu einem unglaublichen Gründerboom bei IT-Unternehmen im Süden Österreichs. Diese profitierten nicht zuletzt von der Öffnung öffentlicher Daten. Kärnten war 2011 das erste Bundesland, in dem Geo- und Umweltdaten völlig frei zugänglich waren. Daraus entwickelte sich eine lebendige Community von Anwendungs-Entwicklern fürs Web und Handys.

Auch wenn das Leitungsgeschäft mit purem Internet gut läuft, würde über die Zeit das Hosting dieser und ähnlicher Anwendungen zur mittlerweile Haupteinnahmequelle der Internet-Provider.

Bildhinweis: (c) iStockPhoto.com/Caracterdesign

Wucher des Tages

16. Jun. 2010

Rund um 08:00 erscheint mein tägliches Morning Briefing auf digirati. Ich fasse dabei die wichtigsten Technews zusammen, über die man Bescheid wissen muss. Wer mitreden muss, braucht also das Morning Briefing.

Heute muss ich mich entschuldigen, für einen eher beiläufigen Titel für eine kleine Geschichte. Den überarbeiteten Mac mini bezeichnete ich als “Aktualisierung des Tages”. In Wahrheit müsste es “Wucher des Tages” heißen. Ich möchte mich hiermit bei meinen Lesern für diese Verharmlosung entschuldigen!

Gestern brachte Apple einen neuen Mac mini. Keine Frage, das Ding sieht entzückend aus und kann für seine Größe eigentlich recht viel. Was ist neu? Das Design wurde an die MacBooks (Alu-Unibody) angepasst, es gibt etwas schnellere CPUs, eine bessere Grafikkarte, einen SD-Kartenslot und einen HDMI-Stecker. Zwei Modelle stehen zur Auswahl und erstmals kann man auch selbst den RAM austauschen/upgraden.

Das ist ein perfektes Beispiel, wie man Apple pure Geldgier vorwerfen kann. Apple verlangt nicht nur höhere Preise, sondern schlägt beim Wechseln von Euro in Dollar fett auf! Ein Vergleich zwischen neuem und altem Modell bzw. Dollar in Euro.

Mac mini 1 Mac mini 2
Preise altes Modell 529 Euro
(2,26 GHz/2GB/160GB)
703 Euro
(2,53 GHz/4GB/320GB)
Preise neues Modell 799 Euro
(2,4GHz/2GB/320GB)
1114 Euro
(2,66 GHz/4GB/500GB)
Preise neu US in Dollar 756 Dollar 1135 Dollar
Preise neu US in Euro 615 Euro 923 Euro
Euro-Aufschlag + 30 % oder 184 Euro + 20 % oder 191 Euro

In die Dollar-Preise ist die – je nach Bundesstaat unterschiedlich hohe – Sales Tax bereits eingerechnet. Ich habe die vergleichsweise hohe von Kalifornien (8,25 %) gewählt.

Ist das die “Europäer-sind-dumm-und-kaufen-uns-eh-alles-ab”-Deppensteuer?

Einen Spartipp für Steve Jobs hätte ich dann auch noch. Wie wäre es, ganz aufs Superdrive zu verzichten? Ich weiß nicht, wann ich zuletzt eine DVD in Händen hielt … Und so könnte der mini dann aussehen – noch eleganter, weil ohne Schlitz.

Vielleicht hilft die Aufregung was und Apple kommt zur Vernunft … Oder es kauft das Ding zu diesen Wucherpreisen keiner …

PS: Bin erst nach dem Photoshoppen drauf gekommen, dass ich eigentlich nur ein Bild vom Snow Leopard Server hätte nehmen müssen :-)

UK: Öffentliche Ausgaben einsehbar

04. Jun. 2010

Dies ist ein Cross-Posting von Kärnten 2020, meinem Blog über OpenGovernment und Politik in Kärnten. Ich bitte um Verständnis, falls Sie dies nun zweimal lesen. Aber ich finde es enorm wichtig, dass davon so viele Leute wie möglich erfahren. Danke!

Wie viele Red Bull ein britischer Abgeordneter trinkt, wie viele für eine Klimaanlage in einem Büro ausgegeben wurde oder was die Reparatur der Kronjuwelen kostet – jede einzelne Ausgabe der öffentlichen Hand ist seit heute im Vereinigten Königreich öffentlich.

Die Regierung in London stellt heute ihre Spending Database online. 120 Gigabyte schwer ist die Datenbank und ob ihres enormen Umfangs wohl auch schwer alleine zu sichten. Die britische Regierung rechnet damit, dass durch die Veröffentlichung zusätzliche Werte von sechs Milliarden Pfund (7,21 Milliarden Euro) entstehen.

Es werden neue Webdienste geschaffen, neue Analysewerkzeuge für enorme Datenberge müssen entwickelt werden und beide Leistungen können später in die restliche Welt exportiert werden. Warum? Weil die Briten durch die frühe Einführung von OpenGovernment und OpenData einen unglaublichen Wettbewerbsvorteil haben.

Spesenbelege

Nun ist digital möglich, was in Großbritannien im Vorjahr nur nach langwieriger Digitalisierung durch den Guardian möglich war. Lange machte die Zeitung Druck, die Belege zu bekommen – um es ihr möglichst schwer zu machen, bekam sie kopierte Belege. Der Informationsfreiheit in Großbritannien wurde damit Genüge getan.

Die Zeitung erstellte eine Datenbank mit dem treffenden Namen Investigate Your MP’s Expenses. 458.832 eingespannte Dokumente gab es darin. 26.739 Bürger schauten bislang 221.142 durch. 237.690 Spesenbelege sind noch abzuarbeiten.

Die Sache führte zu mehreren Rücktritten, etwa weil mehrfach private Ausgaben über Steuerkassen abgerechnet wurden. Dabei zogen MPs auch dann die Konsequenzen, wenn es sich um ganz kleine Beträge – im Bereich von ein paar Pfund – handelte.

In Österreich undenkbar

Solch Hochachtung vor dem Steuerzahler würde man sich in Österreich auch wünschen. Von einer Umsetzung wage ich dennoch nicht einmal zu träumen. Zu verschlossen ist die Politik in der Alpenrepublik.

Ich höre unsere Politiker schon von einer “Hetzjagd gegen sie” zu schreien.

Aber der Druck wird steigen. Wann? Wenn mehr und mehr davon bescheid wissen.  Daher: Erzählt allen Österreichern, die ihr kennt von dem britischen Schritt. Je mehr von den Schritten in Großbritannien Bescheid wissen, umso größer der Druck auf unsere Politik – oder die EU, so etwas europaweit einzuführen.

Call for Action: drüber bloggen, twittern, Artikel auf Facebook teilen!
Allen Freunden davon erzählen!

[UPDATE] Die Datenbank ist vor wenigen Minuten – um 13:06 MEZ – live gegangen. Dazu der Guardian auf seinem Live-Blog:

After years of campaigning and Freedom of Information requests, the government has finally released the Coins (Combined Online Information System) data to the public.

Großbritanniens Chief Secretary to the Treasury, Danny Alexander, dazu:

For too long the previous Government acted as if the public had no right to know where their hard earned taxes were spent. Today we have lifted that veil of secrecy by releasing detailed spending figures dating back to 2008 … We will not stop here – we plan to release more data in the coming months that will be easier for the general public to understand.

Für mich ist das der größte Tag in der Geschichte der Demokratie. Warum? Weil selbst im antiken Griechenland niemand genau wissen konnte, was mit Steuergeld genau passierte. Heute haben wir die Technologie dazu und heute gibt es das Web, das – früher oder später – für ultimative Transparenz sorgen wird.

Um welche Daten geht es? Neun Jahre – fünf Jahre in die Vergangenheit zurück, das aktuelle Jahr live und vier Jahre in die Zukunft als Budget-/Planzahlen.
Ich muss zugeben, ich habe die Daten noch nicht gesehen, aber ich werde mir in den nächsten Tagen einmal Teile davon ansehen.

Die Tageszeitung von morgen

27. Mai. 2010

Seit mehr als einem halben Jahr beschäftige ich mich mit einem Konzept für die Tageszeitung von morgen. Ich bin nun an einem Punkt, an dem ich weiß, dass es klappen kann.

Es gibt eine Lösung, die einen vernünftigen Workflow (via Adobe InDesign) ermöglicht und eine fix fertige Applikation für Apples iPad mitbringt. Ab Herbst gibt es eine Client-Version für Adobe Air (Windows/Mac/Linux) und ein HTML5-Client fürs Web.

Ich weiß nun: Eine kleine, digitale Tageszeitung ist technisch machbar.

Ist sie auch betriebswirtschaftlich möglich? Immer und immer wieder stelle ich mir seit drei Tagen die gleichen drei Fragen und ich komme auf keinen grünen Zweig.

  • Gibt es einen Anzeigenmarkt für ein Gratis-Modell? Gibt es professionelle Vermarkter?
  • Würde eine Bezahlvariante (20 Cent am Tag/4 Euro im Monat) funktionieren?
  • Gibt es alternative Geschäftsmodelle?

Wie soll sie aussehen?

  • 4 Seiten täglich, Technikthemen, in die Zukunft gerichtet statt bloßer Vergangenheits-Nachlese.
  • Interaktiv und multimedial.
  • So wie das Time Magazine am iPad. Genau so, keine Kompromisse!

In der Zwischenzeit glaubte ich nicht an eine machbare technische Umsetzung. Daher konzentrierte ich mich seit März auf die offenste aller Möglichkeiten, um Leser zu bekommen und die Inhalte soweit wie möglich zu streuen.

Das Ergebnis: www.digirati.eu – eine Newswebsite (ich vermeide dafür den Begriff Blog), die zwar ihre treue Anhängerschaft fand, aber mangels Innovation (Yet Another Tech Blog) nicht wirklich abhob. Ich werde das vorerst weiterführen – hier die Zahlen seit dem Start Anfang März – ohne die kleinste Marketing-Anstrengung (!):

Dazu kommen noch durchschnittlich rund 250 Feed-Abonnenten. Mehr als zwölf Prozent der Visits (1694, davon 70 Prozent auf iPhone/iPod touch) gehen übrigens aufs Konto mobiler Geräte.

Im April nahm ich mit meinem Urkonzept an einem Ideenwettbewerb teil – hier die Präsentation für alle, die es interessiert:

Das Investitionsvolumen ist überschaubar, aber für mich auch nicht ohne. Ich müsste 15.000 Euro in die Hand nehmen – für mich ist das derzeit viel Geld!

Ich brauche Feedback. Haltet ihr so etwas 2010 für möglich? Paid? Gratis mit Anzeigen?

Nächste Seite »

Web Analytics