Zimbra wird Yahoos Trumpfkarte

Es gibt scheinbar schon zu viele iPod/iPhone/EU-Geschichten. In all den Apple- und Microsoft-News der letzten Woche ist eines vollkommen untergegangen: die am Montag bekannt gegebene Übernahme von Zimbra durch Yahoo.

yahoo-zimbra

Zimbra ist ein recht jung – es wurde 2004 mit nur einem Ziel gegründet: Etwas gegen Microsoft Exchange zu tun. Also entwickelte man drauf los und nur wenig später gab es schon einen brauchbaren Messaging-Server, der seither ständig verbessert wurde. Das Produkt selbst wird an Geschäftskunden und ISPs verkauft, es gibt jedoch auch eine Opensource-Version.

Die Zimbra Collaboration Suite unterstützt die Synchronisation zwischen mehreren Clients, mobilen Endgeräten und bietet zudem ein sehr gutes Web-Interface, das voll sehr viel Ajax enthält. Es ermöglicht sogar flüssigeres Arbeiten als das „Orignial“, Microsofts Outlook Web Access. Und weil auch ein eigenes Protokoll für den gecachten Zugriff via Outlook enthalten ist, spürt man kaum einen Unterschied zum sündteuren Exchange-Server. Weitere Features gibt’s auf der Zimbra-Site.

Natürlich stellt sich die Frage, warum Yahoo so etwas braucht. Yahoo ist kein Unternehmen, dass Enterprise-Software verkauft, sondern sich an private Webnutzer richtet. Außerdem entkam gerade vor ein paar Wochen Yahoo-Mail der Betaphase. Es enthält auch einen Kalender und ein Kontaktmanagement, nützt intensiv Ajax und ist meiner Meinung nach der derzeit beste Web-Freemailer. Besser noch als Gmail.

Yahoo wird damit seinen Marktanteil bei der Websuche steigern, indem man weiter mit Serviceprovidern und Unternehmen zusammen arbeitet bzw. die Codebasis unter der GPL zur Verfügung stellt. Standardmäßig wird dabei stets Yahoo-Search als Suchdienst eingestellt sein.

Zimbra als Werkzeug für höheren Marktanteil bei anderen Geschäften. Der Kaufpreis von 350 Millionen Dollar könnte sich so rechnen. Könnte … Und irgendwann, wenn die nächste Gerneralrennovierung von Yahoo-Mail fällig ist, wird man wohl auf nur noch eine Codebasis bei seinen Messaging-Servern setzen – derweil hat man aber noch zwei.

Harte Zeiten für Microsoft. Bin schon gespannt, wann LiveMail noch mehr aufgemotzt oder vielleicht ein Exchange-Server Light kommt, um die dahin dümpelnde Live-Search etwas attraktiver zu machen.

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